Das antikapitalistische Archiv

22. November 2005

Faschist und stolz darauf: Antiamerikanische Jugendliche hetzen gegen Amerika und die Freiheit

U.S.A.: Die meisten amis sind komisch, und der bush is der komischste, und n arschloch dazu

Eine sehr intelligente These, dei ein Anarchist aus meinem Bekanntenkreis mir da zumailte, muss schon sagen. Er, der amerikanischen Punkrock hört und Nirvana cool findet, hat anscheinend eine sehr differenzierte Weltsicht: Deutschland ist halt so, kann man nicht ändern, die Amis sind ja noch viel schlimmer. Viel schlimmer ist da ein politisch sogar relativ interessierter Schüler meiner Klasse, der in der letzten Englischstunde allen ernstes behauptete, in Amerika gäbe es keine Pressefreiheit, da alle Macht den Konzernen, „Heuschrecken“ halt, obläge und alle Zeitungen wären ohnehin unter aller Sau verglichen mit den englischen und v.a. mit den deutsche. Hat er schonmal die „New York Times“ oder die „Washington Post“ gesehen? Oder sind das die berühmten „Außnahmen“ vom ansonsten achso „komischen“ Amerika?
Das schreckliche ist, dass Widerspruch gegen solche Thesen fast unmöglich ist: Fakten bringen nichts, denn wie will man jemanden widerlegen, der allen Ernstes aus spruchstückhaften Informationen über ein riesiges Land Schlüsse auf dieses Land als ganzes schließen will. Durch neue Einzelfälle? Indem man ihm klarmacht, dass er „strukturell antisemitische“ Denkmuster auffährt? Das schlimmste ist die unverschämt moralische Kapitalismuskritik, die im Antiamerikanismus steckt. Oh ja, Amerika ist das Reich der Ausbeutung, wir müssen alles tun, um nicht auch so zu werden. Und alle, die amerika in schutz nehmen, und sei es auch nur durch ganz vorsichtige Anmerkungen („Ich finde einiges in Amerika auch sehr lobenswert“) werden gleich als „Bush-Freunde“ oder gar „Kapitalisten“ denunziert. Da sieht man mal wieder das alte Dilemma: stumpfsinnige Ideologien lassen sich nicht mit Vernunft bekämpfen, da ihre Vertreter die Vernunft nicht anerkennen. Besseres „Argument“ ist hier entweder die bessere Polemik oder die faust, wenns nicht mehr anders geht. Ihnen zählt nur eins: immer einen zu finden, der noch dümmer ist als man selber („ich bin zwar blöd, aber hehe, die Amerikaner sind noch blöder“) und sich dabei noch furchtbar gebildet und rebellisch vorkommen. Jaja, Idiots sind eben nicht nur amerikanisch.
Und in 20 Jahren heißt es dann „Kauft keine Waren bei Amerikanern“ (wird ja auch heute schon von vielen „Linken“ gepredigt) und die Bücher von Hemingway und Mark Twain, die Platten von Doors, Nirvana, Tupac und George Gershwin, die Gemälde von Warhol und die Portraits von Martin Luther King (etc.pp.) werden auf europäischen Straßen verbrannt werden. Hinzukommen natürlich noch offene Attacken des aufgestachelten Mobs auf alles, was irgendwie amerikanisch wirkt (menschen und Geschäfte), die von der Polizei ignoriert werden. Dann hat in EUropa der „gute Kapitalismus“ den man uns hier predigt hoffentlich entgültig gesiegt und auch noch jeder europäische Arbeitslose ist wenigstens stolz darauf, kein Amerikaner zu sein. Dann wird das Volk auch vor der innereuropäischen Opposition nicht mehr halt machen, dann haben sie das, was sie schon immer wollten: Faschismus.

1 Kommentar

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  1. Jung, wach‘ mal ganz schnell aus deinem anti-deutschen Apltraum auf. Die Welt ist nicht so, wie sie dir die „Bahamas“ verkauft. Eine anti-amerikanische Meinung als „strukturellen Anti-Semitismus“ zu verurteilen, ist denke ich völlig absurd. Man muss beim Thema Anti-Amerikanismus zu differenzieren wissen und nicht pauschal alle US-Amerikaner über einen Kamm scheren, dass ist natürlich selbst verständlich. Vorallem sollte die Linke sich vor Pauschalisierungen in Acht nehmen, da dies ein struktureller Fehler in den Köpfen der Massen ist und nicht diese Chimäre des allgegenwärtigen Anti-Semitismus‘. Man kann nicht jede gegenteilige Meinung, die nicht anti-deutsch ist, als anti-semitisch verurteilen. Vorallem du der du dich doch „antikapl“ nennst, was ja wahrscheinlich für „anti-kapitalist“ steht, solltest doch erkennen, dass die WTO mit der Unterstützung des neoliberalen Bush-Regimes und vieler anderer neoliberale Regierungen/Regime versucht die Welt einem kapitalistischen System zu unterwerfen, das nichts mit sozialer & nachhaltiger (ökologischer) Marktwirtschaf zu tun hat, sondern sie will einen Kapitalismus etablieren, der Menschenrechte und Umweltschutz als „Handelshemmnisse“ sieht, die der Deregulierung zum Opfer fallen müssen. Und mir ist egal wer diese Entscheidungen trifft und welche Religion oder Ethie hinter diesen Entscheidungen steht. Es ist nur entscheidend, ob es für die menschliche Zivilisation und die Umwelt von Vor- oder Nachteil ist.

    Antwort by antikapl:
    Wollen die von dir beschriebenen Dinge die europäischen Regierungschefs und -chefinnen nicht? Und selbst wenn:
    [quote]solltest doch erkennen, dass die WTO mit der Unterstützung des neoliberalen Bush-Regimes und vieler anderer neoliberale Regierungen/Regime versucht die Welt einem kapitalistischen System zu unterwerfen, das nichts mit sozialer & nachhaltiger (ökologischer) Marktwirtschaf [/quote]
    nachhaltige Marktwirtschaft? Menschenrechte? Junge, ich bin grundsätzlich gegen Kapitalismus, Marktwirtschaft ist immer nur so nachhaltig, wie es dem Erhalt des kapitalismus nützt und auch Menschenrechte sind doch absolut kapitalkonform, egal auf welcher Seite des Atlantiks.
    Ich bin gegen Kapitalismus, und meiner Meinung nach wollen alle Mächte auf der Welt den Kapitalismus, nicht nur Amerika.

    Comment von lipshit — 3. März 2006 @ 00:20

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