Das antikapitalistische Archiv

10. März 2006

Ein hoch auf die negative Dialektik!

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Der Ruf Adornos ist gegenwärtig anscheinend nicht allzu gut, schließlich sei die kritische Theorie ja für die bösen 68er und erst Recht den RAF-Terror verantwortlich, letzteres vorallem wegen ihrer pessimistischen Negativität.
Gerade wegen letzterem ist ein Blick in die weitverzweigte Welt jener Geistesströmung des 20.Jahrhunderts jedoch durchaus empfehlenswert: wer noch in teilweise antideutscher Manier manche Aspekte des Kapitalismus „immer besser als…“ fand, den wird bereits ein kurzer Blick in „Minima Moralia“ genügen, um seine Einschätzung zumindest ins Wanken zu bringen: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ heißt es da, immer wieder wird die kapitalistische Gesellschaft als „total“, schlichtweg als „die falsche“ bezeichnet. Diese grundlegende Gesellschaftskritik lässt sich nicht im Sinne einer affirmativen Geschichtsbetrachtung umdeuten, kein Wunder also, dass Adorno verrufen ist. Schließlich ein Vaterlandsverräter, genau wie Thomas Mann! (wobei bei letzterem die wenigsten „Vaterlandsverrat“ konstantieren würden)

Vaterlandsverräter hin oder her (als ob das etwas negatives wäre), Adorno erweiterte den Marxismus zu einem komplexen philosophischen Denkmodell und brachte ihn mit einer Kulturkritik in Einklang, die bis auf den heutigen Tag gültig ist, genauso wie seine Grundkritik der bürgerlichen Gesellschaft im allgemeinen.
Wo er irrte, etwas in Sachen Monopolkapitalismus und Faschistisierung der gesamten bürgerlichen Welt, hat er zwar Fehler begangen, die jedoch nicht grundlegend sind. Dass die Tendenz zum Monopol besteht ist ebenso eine Tatsache wie, dass in den Strukturen des bürgerlichen Staates der faschistische Staat stets hervorleuchtet: Verletzungen der Menschenrechte, die doch angeblich den Untschied zwischen Demokratie und Faschismus ausmachen, belegen das immer wieder.

Für Interessenten und auch zur kritischen Beurteilung habe ich hier die Ergebnisse meines Adornostudiums einmal in groben Zügen festgehalten.

4 Kommentare

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  1. Adornokritik in a nutshell

    “[…] Adorno erweiterte den Marxismus zu einem komplexen philosophischen Denkmodell […]” (antikapl)

    Trackback von MPunkt — 18. März 2006 @ 10:30

  2. Adornos Philosophie ist reaktionär. Sie ist getragen von einem bildungsbürgerlichen Abscheu gegen Menschen, die Kriminalromane lesen statt Proust, Zum Fußball oder ins Kino gehen statt sich im Theater Beckett anzuschauen, und Jazz oder Rock n´Roll hören statt Schönberg. Sein Denken ist konservativ, elitär und reformfeindlich. Unter dem Deckmantel der „Kritik an instrumenteller Vernunft“ diffamiert er jede Form von wissenschaftsorientierter Philosophie zugunsten der idealistischen hegelschen Dialektik (die viel für puren Unsinn halten).

    Es ist eine der großen geistigen Katastrophen des 20. jahrhunderts in Deutschland, dass die geisteswissenschaftlichen fakultäten entweder unter Kontrolle von Heideggerschülern gerieten, oder unter Adorno/Horkheimer.

    Comment von Willy — 22. März 2006 @ 16:25

  3. willy, dass ist der allergrößte schwachsinn, denn ich je jenseits der roten fahne oder des roten morgen gelesen habe. wissenschaftliche philosophie? was soll das denn sein? kontrolle durch adorno-schüler? wo denn? sag mal einen einzigen geisteswissenschaftlichen lehrstuhl im lande, auf dem ein adornoschüler sitzt?
    arschloch!

    Comment von asdf — 25. März 2006 @ 11:05

  4. @asdf

    Also, ich konnte gerade nicht mehr, als ich deinen Comment gelesen habe. Das „arschloch“ am Ende ist so geil! Bei einem solchen Thema, so unverhofft einen solch‘ markigen ausfallenden Spruch zu bringen, hat schon Stil.

    Comment von lipshit — 5. April 2006 @ 22:49

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