Das antikapitalistische Archiv

31. Oktober 2006

Communismus und Liebeskummer

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Eigentlich ist Liebeskummer ja etwas furchtbar communistisches: die Befriedigung all seiner Bedürfnisse schwebt einem Tag für Tag vor den Augen rum und aus irgendwelchen, allesamt irrationalen Gründen geht sie nie in Erfüllung. Es ist, rein gefühlsmäßig, ganz anders, als es sein müsste, wenn es richtig laufen sollte.
Und, mal ganz ehrlich: sind wir nicht, subjektiv, alle wegen Liebeskummer Communisten geworden?
Communismus ist für mich sowieso definiert als eine Gesellschaft, in der es keinen Liebeskummer mehr geben wird, also bei mir ist der Fall ohnehin klar. Sei es, weil er ohnehin ein Teil der bürgerlichen Besitzstandsideologie im Bereich der romantischen Zweierbeziehungen ist, sei es, weil dann einfach jeder mit jedem und so weiter. Kommt ja aufs gleiche raus, nur eben von zwei verschiedenen Seiten betrachtet.

16. Oktober 2006

Communismus, schallalala!

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Inspiriert von einigen coolen Leuten in meinem Umfeld, unter anderem diesem communistischen Webblog, habe ich mich entschieden, meine Schreibweise der Metapher für die Utopie auch zu verändern. Es ist einfach eine Technik der Entfremdung, die den Leser stutzig macht und aufzeigt: hey, dem hier geht es nicht um irgendeinen Schrott von gestern, der will jetzt Revolution machen. Auch ethymologisch spricht für den Communismus viel: schließlich wird das lateinische Adjektiv „communismus“ (gemeinsam, zusammen), vom dem er sich ableitet, auch mit C geschrieben, und auch Marx schrieb das Wort noch gerne mit C, auch wenn das „Manifest“ schon kommunistisch war.
Ich bin keineswegs der Ansicht, dass man Communismus Communismus schreiben muss, sondern ich halte das einfach für einen netten Gag, gewissermaßen ein kleines Detail am Rande. Ob es der Sache nach Unterschiede zwischen Communismus und Kommunismus gibt, wage ich zu bezweifeln.

antikapl

P.S: Noch eine kurze Antwort auf dieses Kommentar:


Hallo,
die erste Praemisse des Buddhismus ist nicht, dass Leben Leiden sei, sondern dass Leiden im realen Leben existiert! Ein haarfeiner – aber bedeutender Unterschied! Dieses Missverstaendnis hat dem Buddhismus oft den Ruf einer pessimistischen Religion / Philosophie eingebracht. Ich kann auch keine “Diesseitsverneinung” des Buddhismus nachvollziehen – es geht ja gerade darum, im Diesseits bewusster zu leben! Ich empfinde den Buddhismus, besonders das Zen, als sehr erd- und lebensnah. Aber es stimmt gewiss, dass alle Probleme, auch die gesellschaftlichen, zunaechst auf individueller Basis angegangen werden. Aber ist dies kritikwuerdig? Es ist eine Kernaussage besonders der mahayana-buddhistischen Philosophien, dass wirkliche Befreiung von Leiden nur moeglich ist, wenn man nicht fuer das eigene Wohl, sondern fuer das Wohle aller Lebewesen arbeitet. Diese Arbeit muss man jedoch bei sich selbst beginnen – um ueberhaupt in der Lage zu sein, sich fuer das Wohl aller zu engagieren.

Das ist auch wieder richtig. Ich sage ja nicht, dass man nicht versuchen soll, im berühmten „Hier und Jetzt“ möglichst glücklich zu sein. Ich empfehle das sogar ausdrücklich und finde es im Grunde furchtbar doof nur, weil man Communist ist zu meinen, man hätte die Verpflichtung besonders unglücklich sein zu müssen, auch wenn ich selber manchmal zu dieser verqueren Geisteshaltung neige. Das Unglück kommt schon von allein, man sollte es sich nicht herbeidenken, auch wenn es sicher immer Grund genug gibt, depressiv zu sein. Es ist eben die Frage, in wie weit es möglich ist, in dieser Welt, in dieser Gesellschaft, dauerhaft glücklich zu sein und in wie weit meine Probleme einfach nicht von mir selbst kontemplativ lösbar sind. Wenn ich daran leide, dass meine Bedürfnisse nicht erfüllt werden, sagt der Zen doch eher, dass ich mich von diesen Bedürfnissen lösen soll, was aber nur eine Rationalisierung dessen ist, was ich faktisch ohnehin täglich tun muss, wenn ich etwas haben will, was ich mir nicht leisten kann. Oder wenn ich eine schöne Frau oder einen attraktiven Jungen sehe, aber keine Ahnung habe, wie ich mich am besten an sie oder ihn ranmachen soll. Das Ziel: eine Gesellschaft, in der niemand mehr seine Bedürfnisse verleugnen muss, gerät dadurch aber völlig aus dem Blickfeld.
Befreiung ist für mich im Übrigen ein Akt, den wenn dann überhaupt jeder für sich selbst machen muss, und wäre Befreiung der Bedürfnisse und nicht Befreiung von ihnen. Als kollektiven Akt zur Auflösung jedweder Kollektivität vollzogen wäre jene Befreiung Communismus. (Dies ist übrigens eine weitere systematische Schwäche des Zenbuddhismus: die kollektive Seite der Befreiung, die zwischenmenschliche Kommunikation, spielt bei ihm überhaupt keine Rolle. In der Meditation soll sich jeder um seiner Befreiung willen in sich selbst zurückziehen.)




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