Das antikapitalistische Archiv

16. Oktober 2006

Communismus, schallalala!

Abgelegt unter:

Inspiriert von einigen coolen Leuten in meinem Umfeld, unter anderem diesem communistischen Webblog, habe ich mich entschieden, meine Schreibweise der Metapher für die Utopie auch zu verändern. Es ist einfach eine Technik der Entfremdung, die den Leser stutzig macht und aufzeigt: hey, dem hier geht es nicht um irgendeinen Schrott von gestern, der will jetzt Revolution machen. Auch ethymologisch spricht für den Communismus viel: schließlich wird das lateinische Adjektiv „communismus“ (gemeinsam, zusammen), vom dem er sich ableitet, auch mit C geschrieben, und auch Marx schrieb das Wort noch gerne mit C, auch wenn das „Manifest“ schon kommunistisch war.
Ich bin keineswegs der Ansicht, dass man Communismus Communismus schreiben muss, sondern ich halte das einfach für einen netten Gag, gewissermaßen ein kleines Detail am Rande. Ob es der Sache nach Unterschiede zwischen Communismus und Kommunismus gibt, wage ich zu bezweifeln.

antikapl

P.S: Noch eine kurze Antwort auf dieses Kommentar:


Hallo,
die erste Praemisse des Buddhismus ist nicht, dass Leben Leiden sei, sondern dass Leiden im realen Leben existiert! Ein haarfeiner – aber bedeutender Unterschied! Dieses Missverstaendnis hat dem Buddhismus oft den Ruf einer pessimistischen Religion / Philosophie eingebracht. Ich kann auch keine “Diesseitsverneinung” des Buddhismus nachvollziehen – es geht ja gerade darum, im Diesseits bewusster zu leben! Ich empfinde den Buddhismus, besonders das Zen, als sehr erd- und lebensnah. Aber es stimmt gewiss, dass alle Probleme, auch die gesellschaftlichen, zunaechst auf individueller Basis angegangen werden. Aber ist dies kritikwuerdig? Es ist eine Kernaussage besonders der mahayana-buddhistischen Philosophien, dass wirkliche Befreiung von Leiden nur moeglich ist, wenn man nicht fuer das eigene Wohl, sondern fuer das Wohle aller Lebewesen arbeitet. Diese Arbeit muss man jedoch bei sich selbst beginnen – um ueberhaupt in der Lage zu sein, sich fuer das Wohl aller zu engagieren.

Das ist auch wieder richtig. Ich sage ja nicht, dass man nicht versuchen soll, im berühmten „Hier und Jetzt“ möglichst glücklich zu sein. Ich empfehle das sogar ausdrücklich und finde es im Grunde furchtbar doof nur, weil man Communist ist zu meinen, man hätte die Verpflichtung besonders unglücklich sein zu müssen, auch wenn ich selber manchmal zu dieser verqueren Geisteshaltung neige. Das Unglück kommt schon von allein, man sollte es sich nicht herbeidenken, auch wenn es sicher immer Grund genug gibt, depressiv zu sein. Es ist eben die Frage, in wie weit es möglich ist, in dieser Welt, in dieser Gesellschaft, dauerhaft glücklich zu sein und in wie weit meine Probleme einfach nicht von mir selbst kontemplativ lösbar sind. Wenn ich daran leide, dass meine Bedürfnisse nicht erfüllt werden, sagt der Zen doch eher, dass ich mich von diesen Bedürfnissen lösen soll, was aber nur eine Rationalisierung dessen ist, was ich faktisch ohnehin täglich tun muss, wenn ich etwas haben will, was ich mir nicht leisten kann. Oder wenn ich eine schöne Frau oder einen attraktiven Jungen sehe, aber keine Ahnung habe, wie ich mich am besten an sie oder ihn ranmachen soll. Das Ziel: eine Gesellschaft, in der niemand mehr seine Bedürfnisse verleugnen muss, gerät dadurch aber völlig aus dem Blickfeld.
Befreiung ist für mich im Übrigen ein Akt, den wenn dann überhaupt jeder für sich selbst machen muss, und wäre Befreiung der Bedürfnisse und nicht Befreiung von ihnen. Als kollektiven Akt zur Auflösung jedweder Kollektivität vollzogen wäre jene Befreiung Communismus. (Dies ist übrigens eine weitere systematische Schwäche des Zenbuddhismus: die kollektive Seite der Befreiung, die zwischenmenschliche Kommunikation, spielt bei ihm überhaupt keine Rolle. In der Meditation soll sich jeder um seiner Befreiung willen in sich selbst zurückziehen.)

3 Kommentare

Der URI für den TrackBack dieses Eintrags ist: http://antikapl.blogsport.de/2006/10/16/communismus-schallalala/trackback/

  1. CAPITAL KANN MAN AUCH MIT C SCHREIBEN !!!

    Anm.v.antikapl: na und, zitrone kann man auch citrone schreiben. Bring mal nen Argument, Karl ^^

    Comment von Helden Karl — 16. Oktober 2006 @ 23:12

  2. übrigens: deine blog hat verdächtige parallelen mit einer nazi website!!!
    zum glück nur sprachlich! www.anXikap.de

    Comment von dr. kollossos — 7. Dezember 2006 @ 19:06

  3. Ich bin mir zwar nicht sicher, was du mit „sprachlich“ meinst, aber der Name meines Blogs ist wohl tatsächlich ein wenig ungünstig gewählt, er enstammt einfach noch aus einer Zeit, in der ich den Unterschied zwischen „Antikapitalistismus“ und „Communismus“ noch nicht so recht kannte. Aber ich hoffe, meine Inhalte sprechen für sich. Von „Globalisierung“ ist bei mir zumindest eher beiläufig die Rede.

    Comment von Administrator — 8. Dezember 2006 @ 00:29

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Eintrag.

Kommentar hinterlassen

Leider ist der Kommentarbereich für dieses Mal geschlossen.




Referer der letzten 24 Stunden: