Das antikapitalistische Archiv

6. Januar 2008

Bin ich noch antideutsch?

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Dadurch, dass ich in linken Foren und Blogs immer wieder auf als „antideutsch“ assoziierte Positionen vertreten habe, habe ich mir immer wieder den Ruf eingehandelt, eine Art stereotyper „Antideutscher“ zu sein. In diesem Beitrag möchte ich mich mal wieder auf diesem Blog zu Wort melden, und zu diesem Urteil über meine Person, das ja eigentlich garkein Urteil über meine Person, sondern nur über meine virtuelle Identität „antikapl“ ist, die sich von mir als realer Person (wenn es soetwas überhaupt gibt), oftmals nicht unwesentlich unterscheudet, mal ein paar Worte verlieren.

Die Frage ist zunächst einmal, was überhaupt „antideutsch“ ist. Im Allgemeinen werden Leute wohl unter dem Label „antideutsch“ subsumiert, die sich irgendwie positiv auf die „Aufklärung“ beziehen und für die Antisemitismus und Antizionismus ein großes Problem ist. Und natürlich solche, die mit Adorno-Zitaten um sich schmeißen. Angesichts der widerlichen Entwicklung der antideutschen Szene in einen recht skurillen Haufen von Israel-Fetischisten, Nachwuchsliberalen und -rassisten, die sich in den letzten Jahren scheinbar immer mehr forciert hat, kann man als vernünftiger Marxist nur zu einem Urteil kommen: „Nein, ich mag diese Szene und ihre Anhängerschaft nicht.“
Wenn jedoch der erstere Teile der Beschreibung zutrifft, muss ich ganz ehrlich sagen: Okay, irgendwie bin ich nach wie vor antideutsch, obwohl ich die „Dialektik der Aufklärung“ inzwischen besser verstehe als noch vor ein paar Jahren, mich neben Antisemitismus und Antizionismus auch noch für viele andere widerliche Ideologien des bürgerlichen Alltagsbewusstsein interessiere und mehr und mehr erkenne, dass Adorno und Horkheimer auch nicht das gelbe vom Ei sind. Aber all das trifft, bis auf den ersten Punkt vielleicht, auf mich eigentlich schon immer zu, weshalb ich mich ehrlich frage, ob sich da soviel geändert hat. Aber es hat sich viel geändert, denn einen Text wie diesen hier würde ich heute in der Tat nicht mehr schreiben, ebensowenig wie ich mir einen Button mit der Stars-and-Stripes-Flagge oder einen Pulli mit dem Logo irgendeiner US-Uni kaufen würde, nur um bornierte Antiamerikanisten zu schockieren, den Staat Israel für irgendwie communistisch halte oder der Ansicht bin, dass es sich bei der „Zeit“ um ein Bollwerk der Aufklärung handeln würde.
Palituchträger halte ich mittlerweile allerdings immer noch für widerliche Gestalten, denen ich am liebsten aus dem Weg gehe und ab und zu auch mal anspreche, wenn ich mal Lust auf die 100. Wiederholung der bekannten Nahostdebatte in Kurzform habe. Und wenn ich jemanden gegen die böse USA hetzen höre, beschleicht mich noch immer das komische Gefühl, den Raum verlassen oder ihm eins überbraten zu müssen, auch wenn ich mitterweile weiß, dass die amerikanische Gesellschaft wohl ebenso „faschistoid“ wie die deutsche ist.
Hey, und ich werfe nicht mehr allen Leuten, deren politische Gesinnung mir nicht gefällt vor, dass sie entweder deutsch, faschistoid oder antsemitisch wären! Dafür ist jetzt „liberal“ fast zu einem Schimpfwort für mich geworden, womit ich mit Marx sicher mehr d‘accord gehe.

Wenn ich mir heute über die antideutsche Bewegung Gedanken mache, ist das erste Gefühl das mich beschleicht: ich werde langsam alt. Irgendwie kommt es mir so vor, als wären andere an meinen Platz getreten und würden genau dieselben Irrtümer vertreten, die ich vor ein paar Jahren vertreten habe und genau denselben Werdegang durchmachen. Okay, ganz stimmt das natürlich nicht, weil manche auch andere Konsequenzen ziehen und sich tatsächlich nur noch auf Antifaarbeit konzentrieren, während ich fast genau das Gegenteil getan habe.
Immer deutlicher wird für mich jedenfalls: Ja, bei den Antideutschen handelt es sich im Wesentlichen um eine identitäre Jugendbewegung von Leuten, die meinen sich von irgendwem (Punks, Deutschen, Oldschool-Marxisten) abgrenzen zu müssen. Und wer später noch Antideutscher ist, ist entweder ein Fan des Rechtsstaats oder einer der letzten seiner Art. Und das schreibe ich nicht, weil ich denke, keiner Identität anzugehören. In 5 Jahren werde ich mir wahrscheinlich das hier durchlesen und mir denken „mei, was für ein identitärer Trottel ich damals gewesen bin“.

Naja, ich finds auf jeden Fall witzig, dass mir in diesem comfor-Thread von Count tatsächlich vorgeworfen wurde, mich in einen „anti-imp“-Deppen verwandelt zu haben. Zur Beruhigung: Da ich mich glaube ich aktuell, glaube ich, nicht mehr in der Phase befinde, in der ich es nötig habe, mich an irgendwelchen konstruierten Labels festzukrallen, ist mir das eigentlich herzlich egal. Ist ja auch irgendie beruhigend, dass ich mittlerweile auch blöde Antiimp-Positionen vertreten kann, ohne mir Angst um meinen guten Ruf machen zu müssen. Gibt ja auch dieses Sprichwort…

Waren diese Ausführungen nun Ausdruck postpubertärer, egofixierter Nabelschau und keine besonders tolle Analyse? Ja, ich glaube schon. Aber da sie irgendwie doch überindividuellen Charakter haben, da es glaube ich vielen Leute aus meinem Bekanntenkreis so ähnlich geht wie mir, werde ich sie trotzdem veröffentlichen.

16. Oktober 2007

Neues communistisches Diskussionsforum

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Obwohl dieser Blog von mir nur noch höchst sporadisch betrieben wird (was sich wegen anderen Verpflichtungen in nächster Zeit auch denke ich nicht großartig ändern wird), will ich ihn doch dafür nutzen, ein wenig Werbung für ein gerade im Entstehen befindliches, communistisches Diskussionsforum, das eventuell die Nachfolge des legendären „kf“ antreten könnte, zu machen. Der Direktlink ist http://comfor.uttx.net.
Ich halte ein Forum wie dieses trotz der negativen Erfahrungen mit dem alten kf nach wie vor für eine sinnvolle Plattform, um verschiedene communistische Standpunkte zu erörtern und vielleicht sogar ein wenig Licht ins Dunkel der linksradikalen Identitätsrackets zu bringen (wobei ich nicht behaupten will, dass meine Rolle im kf gänzlich unproblematisch gewesen wäre).

16. Oktober 2006

Communismus, schallalala!

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Inspiriert von einigen coolen Leuten in meinem Umfeld, unter anderem diesem communistischen Webblog, habe ich mich entschieden, meine Schreibweise der Metapher für die Utopie auch zu verändern. Es ist einfach eine Technik der Entfremdung, die den Leser stutzig macht und aufzeigt: hey, dem hier geht es nicht um irgendeinen Schrott von gestern, der will jetzt Revolution machen. Auch ethymologisch spricht für den Communismus viel: schließlich wird das lateinische Adjektiv „communismus“ (gemeinsam, zusammen), vom dem er sich ableitet, auch mit C geschrieben, und auch Marx schrieb das Wort noch gerne mit C, auch wenn das „Manifest“ schon kommunistisch war.
Ich bin keineswegs der Ansicht, dass man Communismus Communismus schreiben muss, sondern ich halte das einfach für einen netten Gag, gewissermaßen ein kleines Detail am Rande. Ob es der Sache nach Unterschiede zwischen Communismus und Kommunismus gibt, wage ich zu bezweifeln.

antikapl

P.S: Noch eine kurze Antwort auf dieses Kommentar:


Hallo,
die erste Praemisse des Buddhismus ist nicht, dass Leben Leiden sei, sondern dass Leiden im realen Leben existiert! Ein haarfeiner – aber bedeutender Unterschied! Dieses Missverstaendnis hat dem Buddhismus oft den Ruf einer pessimistischen Religion / Philosophie eingebracht. Ich kann auch keine “Diesseitsverneinung” des Buddhismus nachvollziehen – es geht ja gerade darum, im Diesseits bewusster zu leben! Ich empfinde den Buddhismus, besonders das Zen, als sehr erd- und lebensnah. Aber es stimmt gewiss, dass alle Probleme, auch die gesellschaftlichen, zunaechst auf individueller Basis angegangen werden. Aber ist dies kritikwuerdig? Es ist eine Kernaussage besonders der mahayana-buddhistischen Philosophien, dass wirkliche Befreiung von Leiden nur moeglich ist, wenn man nicht fuer das eigene Wohl, sondern fuer das Wohle aller Lebewesen arbeitet. Diese Arbeit muss man jedoch bei sich selbst beginnen – um ueberhaupt in der Lage zu sein, sich fuer das Wohl aller zu engagieren.

Das ist auch wieder richtig. Ich sage ja nicht, dass man nicht versuchen soll, im berühmten „Hier und Jetzt“ möglichst glücklich zu sein. Ich empfehle das sogar ausdrücklich und finde es im Grunde furchtbar doof nur, weil man Communist ist zu meinen, man hätte die Verpflichtung besonders unglücklich sein zu müssen, auch wenn ich selber manchmal zu dieser verqueren Geisteshaltung neige. Das Unglück kommt schon von allein, man sollte es sich nicht herbeidenken, auch wenn es sicher immer Grund genug gibt, depressiv zu sein. Es ist eben die Frage, in wie weit es möglich ist, in dieser Welt, in dieser Gesellschaft, dauerhaft glücklich zu sein und in wie weit meine Probleme einfach nicht von mir selbst kontemplativ lösbar sind. Wenn ich daran leide, dass meine Bedürfnisse nicht erfüllt werden, sagt der Zen doch eher, dass ich mich von diesen Bedürfnissen lösen soll, was aber nur eine Rationalisierung dessen ist, was ich faktisch ohnehin täglich tun muss, wenn ich etwas haben will, was ich mir nicht leisten kann. Oder wenn ich eine schöne Frau oder einen attraktiven Jungen sehe, aber keine Ahnung habe, wie ich mich am besten an sie oder ihn ranmachen soll. Das Ziel: eine Gesellschaft, in der niemand mehr seine Bedürfnisse verleugnen muss, gerät dadurch aber völlig aus dem Blickfeld.
Befreiung ist für mich im Übrigen ein Akt, den wenn dann überhaupt jeder für sich selbst machen muss, und wäre Befreiung der Bedürfnisse und nicht Befreiung von ihnen. Als kollektiven Akt zur Auflösung jedweder Kollektivität vollzogen wäre jene Befreiung Communismus. (Dies ist übrigens eine weitere systematische Schwäche des Zenbuddhismus: die kollektive Seite der Befreiung, die zwischenmenschliche Kommunikation, spielt bei ihm überhaupt keine Rolle. In der Meditation soll sich jeder um seiner Befreiung willen in sich selbst zurückziehen.)

1. April 2006

Neue Kategorien

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Kategorienbildung ist nicht immer was schlechtes – ich habe jetzt sämtliche Beiträge, die ich jemals in meinem Blog veröffentlichte, in neue, auf den Inhalt bezogene, Kategorien eingeordnet. Einfach am Rand die Kategorie anwählen, und schon werden die zu diesem Thema passenden Artikel angezeigt.

Viel Spaß beim Suchen, Lesen und Kommentieren wünscht euch

Euer antikapl

14. Februar 2006

Witzig, witzig

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Hallo, liebe Besucherinnen und Besucher meines kleinen, aber feinen Ramscharchivs,

nach einer Woche Krankheit, in der ich mich bis in die nationalistisch-populistischen Weiten des Politikforums verirrte (vielleicht dazu mal ein kleiner Beitrag hier, wenn der Frust über diese ignoranten Phrasendrescher zu groß wird), bin ich nun wieder topfit dabei.
Ich lese gerade wie wild Adorno und muss morgen mein im kf schon lange vorbereitetes Feuerbachreferat halten.
Aber das eigentliche witzige: durch einen Blick auf die referers-Liste ist mir ein Rechtsschreibfehler in meinem „Matrix“-artikel aufgefallen. Ein googler hat versehentlich „martix revolutions“ eingegeben und ist so auf meine Seite gelangt. Ich habe den Fehler, wie ihr euch selbst überzeugen könnt, natürlich gleich korrigiert, auch wenn er mir einen zusätzlichen Besucher eingebracht hat.

antikapl

22. Januar 2006

Unbedingt mal reinschaun!

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Die Site der Jugendantifa Augsburg enthält einen brandneuen Artikel über EUropa und Nationalismus. Unbedingt mal reinschaun!!!

http://redfreedom.re.funpic.de

15. Dezember 2005

Kleine Info

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Mein kleiner beitrag über „Zen“ darunter, zu dem ich in übrigen zu 100% stehe, da wird nichts relativiert, hat nichts mit dem Hauptthema dieses blogs, nämlich Antikapitalismus zu tun. Darauf möchte ich v.a. die hinweisen, die zu diesem blog durch google weitergeleitet wurden oder vom kommunistischen Forum kommen und sich durch diesen Text eventuell ein wenig „verarscht“ vorkommen. Durchstöbert meinen Textefundus, und ihr werdet auch einiges zu dem Thema finden, das der Name dieses Blogs suggeriert.

Viel Spaß, Euer antikapl

24. Oktober 2005

Jetzt weiß ichs

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Liebe FreundInnen von antikapl,

Ich weiß jetzt, was ich hier einrichten will: eine Art Datenbank mit allen KünstlerInnen, SchriftstellerInnen und sonstigen tollen Männern und Frauen, zu denen ich etwas zu sagen habe. Also, schaut in den nächsten Tagen mal rein, ich werde demnächst damit anfangen. Außerdem fang ich jetzt dann mal an, hier links zu einigen echt coolen Seiten einzufügen. Wau bin ich toll (Ironie),

antikapl

Aus der Sache mit dem „Großen Who is Who“ wird jetzt wohl doch nicht, hab 1. zu wenig zeit und 2. genügend andere, bessere ideen für diesen blog.

antikapl

23. Oktober 2005

hallo

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Hallo FreundInnen von antikapl,

hier veröffentliche ich texte und was ich sonst noch will, muss mich aber erst noch ein wenig darüber im klaren sein, was ich eigentlich hier reinschreiben will.

antikapl




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