Das antikapitalistische Archiv

3. September 2006

4 Wochen Sonnenschein

Es gibt fuer mich nichts Schoeners, als zu verreisen. Na gut, ein paar Sachen gibts schon, aber sicher nichts Schoeneres, als einfach mal relativ alleine eine Grossstadt zu erkunden. Diesen Sommer war ich in Los Angeles, und um nicht zu sehr in Wehmut darin zu versinken, dass die Gegenwart von einst die Vergangenheit von heute ist, mache ich einfach die Vergangenheit zur Gegenwart und bericht euch ein bisschen von den Erfahrungen, die ich in L.A. gemacht habe. Obwohl es ja eigentlich doch so ist, wie Adorno sinngemaess im Kulturindustriekapitel der Dialektik der Aufklaerung (sein Wohnhaus in L.A. habe ich uebrigens leider vergeblich gesucht), naemlich dass man woandershin reist, um nur immer wieder das Immergleiche zu finden, war es wirklich toll fuer mich, die vielgelobten und -kritisierten USA einfach mal persoenlich kennenzulernen. Doch ich kann euch gleich beruhigen, der Spruch gilt auch fuer diese Reise (man muss heutzutage glaube ich schon zu Buechern greifen, um das ganz Andere wirklich kennenlernen zu koennen).

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P.S.: Entschuldigt die Schreibweise, ich habe gerade ein kleiner Problem mit meiner Tastatur.

22. November 2005

Faschist und stolz darauf: Antiamerikanische Jugendliche hetzen gegen Amerika und die Freiheit

U.S.A.: Die meisten amis sind komisch, und der bush is der komischste, und n arschloch dazu

Eine sehr intelligente These, dei ein Anarchist aus meinem Bekanntenkreis mir da zumailte, muss schon sagen. Er, der amerikanischen Punkrock hört und Nirvana cool findet, hat anscheinend eine sehr differenzierte Weltsicht: Deutschland ist halt so, kann man nicht ändern, die Amis sind ja noch viel schlimmer. Viel schlimmer ist da ein politisch sogar relativ interessierter Schüler meiner Klasse, der in der letzten Englischstunde allen ernstes behauptete, in Amerika gäbe es keine Pressefreiheit, da alle Macht den Konzernen, „Heuschrecken“ halt, obläge und alle Zeitungen wären ohnehin unter aller Sau verglichen mit den englischen und v.a. mit den deutsche. Hat er schonmal die „New York Times“ oder die „Washington Post“ gesehen? Oder sind das die berühmten „Außnahmen“ vom ansonsten achso „komischen“ Amerika?
Das schreckliche ist, dass Widerspruch gegen solche Thesen fast unmöglich ist: Fakten bringen nichts, denn wie will man jemanden widerlegen, der allen Ernstes aus spruchstückhaften Informationen über ein riesiges Land Schlüsse auf dieses Land als ganzes schließen will. Durch neue Einzelfälle? Indem man ihm klarmacht, dass er „strukturell antisemitische“ Denkmuster auffährt? Das schlimmste ist die unverschämt moralische Kapitalismuskritik, die im Antiamerikanismus steckt. Oh ja, Amerika ist das Reich der Ausbeutung, wir müssen alles tun, um nicht auch so zu werden. Und alle, die amerika in schutz nehmen, und sei es auch nur durch ganz vorsichtige Anmerkungen („Ich finde einiges in Amerika auch sehr lobenswert“) werden gleich als „Bush-Freunde“ oder gar „Kapitalisten“ denunziert. Da sieht man mal wieder das alte Dilemma: stumpfsinnige Ideologien lassen sich nicht mit Vernunft bekämpfen, da ihre Vertreter die Vernunft nicht anerkennen. Besseres „Argument“ ist hier entweder die bessere Polemik oder die faust, wenns nicht mehr anders geht. Ihnen zählt nur eins: immer einen zu finden, der noch dümmer ist als man selber („ich bin zwar blöd, aber hehe, die Amerikaner sind noch blöder“) und sich dabei noch furchtbar gebildet und rebellisch vorkommen. Jaja, Idiots sind eben nicht nur amerikanisch.
Und in 20 Jahren heißt es dann „Kauft keine Waren bei Amerikanern“ (wird ja auch heute schon von vielen „Linken“ gepredigt) und die Bücher von Hemingway und Mark Twain, die Platten von Doors, Nirvana, Tupac und George Gershwin, die Gemälde von Warhol und die Portraits von Martin Luther King (etc.pp.) werden auf europäischen Straßen verbrannt werden. Hinzukommen natürlich noch offene Attacken des aufgestachelten Mobs auf alles, was irgendwie amerikanisch wirkt (menschen und Geschäfte), die von der Polizei ignoriert werden. Dann hat in EUropa der „gute Kapitalismus“ den man uns hier predigt hoffentlich entgültig gesiegt und auch noch jeder europäische Arbeitslose ist wenigstens stolz darauf, kein Amerikaner zu sein. Dann wird das Volk auch vor der innereuropäischen Opposition nicht mehr halt machen, dann haben sie das, was sie schon immer wollten: Faschismus.




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