Das antikapitalistische Archiv

27. Oktober 2007

Die Kritik der Religion im Zeitalter religiöser Toleranz

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Wie angekündigt, stelle ich hier das Manuskript meines gestrigen Vortrags als pdf zum Download. Auch, wer nicht in dem Vortrag anwesend war und sich über eine marxistisch fundierte Kritik der Religion interessiert, kann es sich gerne herunterladen und mir per Mail oder Comment auf diesem Blog seine Meinung dazu schreiben.
Und für alle, die überhaupt nichts vom Vortrag wissen, weil sie nicht in der Stadt, in der ich lebe, wohnen, hier nochmal der von mir verfasste Ankündigungstext:

Wer heute noch wirkliche Kritik an der Religion übt, wird bestenfalls belächelt, schlimmstenfalls als intolerant diffamiert, da Religion ja Privatsache sei und man niemands Gefühle verletzten dürfe. Kritik an der Religion scheint höchstens noch an ihren extremen, fundamentalistischen Formen berechtigt, wobei selbst diese noch in alltoleranter, „postmoderner“ Manier als notwendiges Übel zu ertragen seien, solange sie sich an die demokratischen Spielregeln des Staates halten. So wird der Bundesrepublik Deutschland von US-amerikanischen „Menschenrechtlern“ vorgeworfen, mit ihrer mit Sanktionen gekoppelten Kontrolle der Sekte Scientology das Recht des Menschen auf Glaubensfreiheit zu verletzen, während sich deutsche Linke gerne über die angeblich islamfeindliche Politik der US-Regierung echauffieren. Alles in allem also keine guten Aussichten für die, die Religion als affirmative Ideologie an sich ablehnen und diese Ablehnung noch dazu nicht nur als persönliche Meinung, sondern als wohlbegründeten Gedankengang mit allgemeingültigem Wahrheitsanspruch verkaufen wollen. Haben diese Leute Recht? Lässt sich die moderne, sich als tolerant und menschenfreundlich präsentierende, Religion überhaupt noch so kritisieren, wie es z.B. Ludwig Feuerbach in seiner Schrift „Über das Wesen des Christentums“ im 19. Jahrhundert tat? Diese und viele weitere Fragen, die die Funktionsweise religiöser Ideologien in der und für die bürgerliche Gesellschaft betreffen, werden in dieser Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zu klären versucht werden.


Viel Vegnügen beim Lesen wünscht euch,

antikapl.

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27. August 2007

Es war einmal im Spiegel…

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Singen bringt Menschen Überlebensvorteil

Die menschliche Stimme kann viel mehr, als zum Sprechen nötig ist. Forscher schließen daraus: Gesang ist evolutionär älter – und brachte den frühen Menschen einen Selektionsvorteil bei Paarung ebenso wie beim Kinderhüten. Hilfreich ist dieses Erbe noch heute.

Singen ist für die Menschheit nicht etwa ein bloßer Zeitvertreib. Vielmehr war Musik ihrer Ansicht nach für die frühen Menschen ein Vorteil beim Kampf ums Überleben, so glauben Forscher. Man mag es kaum für möglich halten, wenn man die schaurigen Gesangsversuche mancher Mitmenschen im Ohr hat: Gesang als einer der evolutionären Faktoren, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind.

Wie wichtig Musik für die Menschheit ist, zeigt schon die Tatsache, dass es sie überhaupt gibt. „Was keinen Nutzen bringt, wird im Laufe der Evolution gnadenlos ausgemerzt“, sagte der Musikwissenschaftler Eckart Altenmüller zu der Zeitschrift „bild der wissenschaft“. Doch was ist es, das die Menschen schon in der Jungsteinzeit dazu brachte, auf Knochenflöten harmonische Töne zu erzeugen und – wahrscheinlich sogar noch früher – ihren Stimmbändern Melodien zu entlocken?

Denn singen konnten nach Ansicht vieler Forscher die Vorfahren von Homo sapiens schon, bevor sie sprechen konnten. Sonst ließe sich nicht erklären, dass die menschliche Stimme viel mehr kann, als beim Sprechen nötig ist. So ist sie in der Lage, Töne zu erzeugen, die drei Oktaven abdecken – obwohl für die Sprache lediglich eine Quinte, also etwas mehr als die Hälfte einer Oktave, ausreichen würde. Auch die Fähigkeit, Töne lange zu halten, ist beim Sprechen nicht gefragt.

Und auch die Wahrnehmung von Musik scheint biologisch vorgesehen zu sein: So müssen kleine Kinder beispielsweise nicht erst lernen, welche Klänge harmonisch sind und welche nicht, sie wissen es instinktiv. Außerdem erfassen sie die musikalischen Anteile von Sprache früher als ihre Bedeutung. „Was die Mutter oder der Vater sagt, nehmen Babys zunächst als melodischen Lautstrom wahr“, erklärt Altenmüller. Das spiegelt sich auch im Gehirn wider, denn dort werden Sprache und Musik von den gleichen Hirnregionen bearbeitet.

Von Höhlen-Werben zu kreischen Fans

Welchen Vorteil die Musik den frühen Menschen – genauer gesagt den Männern – brachte, kann man heute noch erahnen – dann nämlich, wenn man sich die kreischenden Fans von Tokio Hotel oder Robbie Williams anschaut: Musiker sind für Frauen extrem attraktiv und waren es wahrscheinlich schon in der Steinzeit.

In den Zeiten, in denen es ums nackte Überleben ging, zeigte der Gesang den Frauen etwas anderes: „Seht her! Ich bin so stark und gesund, dass mir selbst diese widrigen Bedingungen nichts ausmachen und ich noch Kraft genug habe, um so sinnlose Dinge zu tun wie zu singen.“ Gleichzeitig, spekulieren Forscher, demonstrierten sie ihre Kreativität und damit auch ihre geistigen Fähigkeiten. Singende Männer hatten also alles, was sich eine Frau nur wünschen konnte – und waren daher begehrte Partner.

Für die Frauen hatte das Singen wahrscheinlich eine vollkommen andere Funktion, glauben viele Wissenschaftler: Es diente der Kommunikation mit ihren Kindern. „Wenn Mütter mit ihren Babys reden, ist die Stimme höher, erstreckt sich insgesamt über einen größeren Frequenzbereich. Das Tempo ist langsamer, und die Sprachmelodie wird übertrieben. All das macht man beim Singen auch“, sagt Altenmüller. Besonders wichtig war diese Kommunikation, wenn die Frauen ihren Nachwuchs beruhigen mussten, ohne ihn berühren zu können.

Singen ist Beruhigung ohne Berührung

Das funktioniert tatsächlich, konnte die kanadische Psychologin Sandra Trehub zeigen: Wenn Babys etwas vorgesungen bekommen, sinkt ihr Stresshormonspiegel und dieser bleibt zudem deutlich länger auf niedrigem Niveau, als wenn die Mütter lediglich reden. Zunutze machen sich das Eltern auf der ganzen Welt, indem sie ihren Kindern Wiegenlieder vorsingen – die laut „bild der wissenschaft“ interessanterweise überall ähnlich klingen und demnach wahrscheinlich schon sehr früh in der Geschichte der Menschheit entstanden.

Noch wesentlicher für den evolutionären Erfolg von Musik könnte allerdings eine andere Eigenschaft gewesen sein: „Musik ist immer etwas Gemeinschaftliches, und gemeinschaftliche Aktivitäten stärken den Zusammenhalt einer Gruppe“, sagt Altenmüller. Singen beispielsweise sorge dafür, dass sich Menschen „emotional synchronisieren“ – eine unverzichtbare Voraussetzung für gemeinsames Handeln, das wiederum unabdingbar für das Überleben in schweren Zeiten war.

Damit das nicht in Vergessenheit geriet, hat die Natur zusätzlich noch für einen besonderen Kick gesorgt: Musik stimuliert das Belohnungszentrum und löst dadurch Glücksgefühle aus, ähnlich wie Essen oder Sex. Das beruhigt, bringt die Emotionen ins Gleichgewicht und tut zusätzlich noch dem Körper gut. Das Fazit des Musikwissenschaftlers lautet daher: „Der Körper verschafft uns durch die Aktivierung des Belohnungssytems einen Anreiz, uns wichtige Dinge zu besorgen – Musik ist demnach wichtig.“

Quelle

Die Autoren dieses Spiegels haben anscheinend in der Schule in Musik nicht aufgepasst, sonst hätten sie sich mal mit mittelalterlicher Musik beschäftigt und festgstellt, dass die Behauptung, es gäbe ahistorische, in den Genen verankerte Urharmonien, ganz empirisch gesehen völliger Blödsinn ist. Das Harmonieempfinden eines Menschen wird von dem, was er gewohnt ist zu hören, und nicht von seinen Erbanlagen bestimmt. Witzig ist auch die Musik von außereuropäischen Kulturen, z.B. der indonesischen, die auf einem fundamental anderem Tonsystem als dem unseren basieren und in unseren Ohren nur noch wie irgendwelches Gedudel ohne harmonischen Zusammenhang klingt.
Der Verdacht drängt sich auf, dass die Herren Neurobiologen in ihrer unermütlichen Suche nach ewigen, unvergänglichen Ideen nichts anderes als Metaphysik betreiben, die ja seit Platon auch immer davon ausging, dass es apriorische, vorgeburtliche Ideen im Menschen gibt, auf die seine Erkenntnis der Welt basiert. So findet alles seine würdige Fortsetzung…

1. Mai 2006

Zu Kritik am Zenbuddhismus

Dr. Kollosos hinterließ zu diesem Artikel über Zenbuddhismus folgendes Kommentar:

Ohne sich jemals eingehend und fundiert mit Buddhismus beschäftigt zu haben, erlaube ich mir jetzt trotzdem eine kleine kritik zu üben: Soweit ich weiß ist eine der Prämissen des Buddhismus, dass leben leiden sei! Ausgehend hiervon, bauen Buddhisten ihr gesamtes Religionsgebäude auf, welches darin kulminiert, den Kreislauf des Lebens zu durchbrechen! (ich hoffe das stimmt zumindest teilweise) Hier setzt nun meine Kritik an: Ist es nicht gerade eine solche dieseitsverneinung, die einen zutiefst passiven Kern trägt, der jegliche eigenmächtige Umgestaltung des Hier und Jetzt ideologisch angreift! Wäre es nicht sinnvoller, wenn schon von der Leben-ist-leiden-prämisse ausgegangen wird, sich einen Nietzsche zum Vorbild nehmen, der dagegen sagt: Ja, lebt!
Ach übrigens: Ist nicht das an worten klammern richtig? Sich Begrifflichkeiten auszuarbeiten um vernünftig der Welt näher zu kommen, was ist schlecht daran!?


Mein „Gegenkommentar“ zu diesem Kommentar werde ich auch dazu nutzen, um für mich eine aktualisierte Version meiner Position zum Zenbuddhismus zu artikulieren, was sicher Not tut. Schließlich ist es unmöglich, einer mehr als 2000 Jahre alten Philosophie noch heute unbedingte Gültigkeit zuzuprechen, was ja auch, Selbstverständnis der deutschen buddhistischen Union (DBU) hin oder her, weder hier im Westen noch in Asien von BuddhistInnen gemacht wird, weil niemand weder in der Lage noch willens ist, zu Gunsten eines strengbuddhistischen Lebens die kapitalistische Totalität zu durchbrechen.
Ich meine, das gerade für den Zenbuddhismus schon spricht, das er, auf jeden Fall, wie er im Westen rezipiert wird, schon recht diesseitsbezogen ist. Es geht eigentlich nicht darum, auf eine bessere Wiedergeburt hinzuarbeiten sondern das Ziel ist schon, im Diesseits einen möglichst hohen Verwirklichungsgrad zu erreichen (inwiefern das orthodox ist, sei an dieser Stelle mal dahingestellt).
Auch, dass das Leben Leiden ist, ist ja, erst Recht in der kapitalistischen Realität, keine unbedingt falsche Aussage. Es ist doch blanker Hohn den von Herrschaftsverhätnissen unterdrückten Menschen zuzurufen „Ja, lebt!“, weil gerade diese Herrschaftsverhältnisse doch ein wirklich glücliches Leben gerade unmöglich machen. Zumindest müsste man von dieser „nietzianischen“ Perspektive aus schon eine Kritik entwicklen, bzw. würde einen das Festhalten am nietzianischen Ideal im Idealfall automatisch kritisch machen, wenn man feststellt, dass das Ausleben dieses Ideals in der jetzigen Realität völlig unmöglich ist (das kann ich aus meiner individuellen Erfahrung aus auch nur bestätigen).
Ich finde am Zenbuddhismus auch kritikabel, das er das Leiden individuell und nicht gesellschaftlich aufzuheben versucht. Es ist komplett falsch und antiemanzipatorisch, die Lösungen für gesellschaftliche Probleme zuerst bei sich selbst zu suchen. Das mag dem Einzelnen zwar teilweise helfen, mit der Gesellschaft temporär zurechtzukommen, hilft aber letztendlich nur, die gesellschaftlichen Zustände, die die Probleme des Einzelnen erst verursachen, immer wieder zu reproduzieren. Für diesen ständigen Reproduktionsvorgang finde ich die buddhistische Metapher vom „Kreislauf des Leidens“, der durchbrochen werde muss, sogar recht passend. Nur der Modus, wie dieser Durchbruch stattfinden soll, gefällt mir eben nicht.
Marx und Buddha ähneln sich meines Erachtens in vielen Punkten sogar. Beiden gings ja darum, die Ursachen für Leiden zu finden und daraus abzuleiten, wie eine Aufhebung des Leidens möglich ist. Und beide scheinen mir vor demselben Widerspruch zu stehen: beide halten das Leiden für durch einen bestimmten Mechanismus determiniert, und zwar in einer Art und Weise, der einen Ausbruch aus diesem Mechanismus im Grunde zu einem unlösbaren Paradox macht. Das meint: bei Buddha gehört Leiden zum Leben dazu und reproduziert sich als „Karma“ immer wieder. Trotzdem ist es im Leben möglich, sich von diesem Leiden zu befreien.
Bei Marx gehört Leiden zum Kapitalismus und ist nur lösbar, wenn sich die Menschen gegen den Kapitalismus auflehnen. Für den Materialisten Marx ist aber das Denken der Menschen stets geprägt von den gesellschaftlichen Strukturen, in denen sie leben („das Sein bestimmt das Bewusstsein“). Wieso sollten sich also Menschen, deren Denken von der kapitalistischen Struktur geprägt ist, gerade gegen diese auflehnen und zu einer gänzlich anderen Welt führen, nämlich zum Gegenteil des Bestehenden?

Zum letzten Absatz des Kommentars: du sagst ja schon selber, das sich Begrifflichkeiten der Realität nur annähern. Das Ziel der Aufklärung ist natürlich, das sich irgendwann die Begrifflichkeiten der Realität bis ins kleinste Detail annähern, aber die Frage ist hier natürlich, ob dieses Ziel nicht im höchsten Maße hybrid und totalitär ist, da es eine unbewiesene Prämisse ist, das die Welt tatsächlich auf so vernünftigen Gesetzmäßigkeiten beruht, wie die Wissenschaft behauptet. Oder anders gesagt: in gewisser Weise macht die Wissenschaft ja erst vernünftig, vorher war sie das nicht.
Okay, das war jetzt ein bisschen an „Dialektik der Aufklärung“ orientiert, aber trifft das Thema glaube ich schon: man muss sich einfach den irrationalen Kern des Daseins anerkennen und sich über den Grenzen der Vernunft im Klaren sein, die Begriffe also nicht mit der Realität verwechseln.

13. Januar 2006

Es ist mal wieder so weit…

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…ich habe einen neuen, längeren Artikel für diesen Blog verfasst. Thema: der philosophisch-spirituelle Hintergrund der Matrix-Triologie aus mehreren Winkeln beleuchtet, um einmal Matrix II und III in einem andere n Licht als gewöhnlich aufzuzeigen.

Aber lest http://antikapl.blogsport.de/matrix-reloadedrevolution-eine-apologie/ selbst!

24. Dezember 2005

Rudi-dutschke-Tag!

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Eigentlich ist heute kein Tag zum Feiern, denn vor genau 26 Jahren starb unser aller Idol Rudi Dutschke an den Spätfolgen des auf ihn ausgeführten Attentats in der Badewanne. Und vor ungefähr 2000 Jahren wurde (zumindest angeblich) derjenige geboren, der die Religion begründete, an deren Moralvorstellungen wir heute schier zugrunde gehen: dem Christentum. Trotzdem wird es heute nur wenige geben, die nicht einen gewissen Hauch von psychischer Wärme spüren, der ihnen sonst das ganze Jahr vorenthalten wird, ich gehöre zu ihnen, in diesem Jahr bin ich echt in Weihnachtsstimmung, zugegebenermaßen. Liegt vielleicht auch daran, dass ich die letzten zwei Tage fette Party gemacht hab, aber jetzt bin ich mal wieder daheim und freue mich auf ein paar schöne Stunden mit meiner Familie und das Geld, das ich heute abend hoffentlich als Lohn für ein Jahr braves Söhnlein/Enkel/Neffe…-sein bekommen werde. Und natürlich darf auch der politische Anspruch nicht fehlen: Weihnachten ist ein Trostfest, klare Sache, ein Tag verkürzter Kommunismus würd ich sagen, an dem die Regel, das nur der etwas haben darf, der auch hart dafür gearbeitet hat, einmal ausgesetzt wird, selbstverständlich jedoch nicht komplett, denn: nur wer schenkt wird i.d.R. beschenkt, beim bürgerlichen Schenken handelt es sich also um nichts weiter als eine etwas seltsame Modifikation des präpekuniären Tauschhandels, Mittelalter pur.
Ob Weihnachten deswegen allerdings abgeschafft gehört, das weiß ich nicht. Wird ein wenig Trost in der kalten, finsteren Jahreszeit noch nötig sein, wenn alles allen gehört? Klar, materielle Geschenke werden dann wenig Sinn machen, höchstens als nette Geste, aber ein allwinterliches Kuschelfest am 24.12., wieso nicht? Dass es keine Kulturrevolution mit bilderstürmerischen Barbarei geben sollte, das ist ohnehin klar, oder zumindest schweigt dieses destruktive Bedürfnis in mir an einem Tag, an dem ich selbst in die Kirche gehe.
In diesem konstrukiven Sinne: frohe Weihnachten, liebe BesucherInnen dieses Blocks und weint nicht zuviel um good old Rudi the red(;,

Euer antikapl

3. Dezember 2005

Zen

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Komm gerad vom nahe gelegegen Zentempel zurück, wo ich mich zwei Tage lang aufgehalten habe.
Es ist toll, ich meditiere jetzt schon seit ca. 9 Monaten und jedes Mal wird es besser.
Ich werde an meine psychischen und physischen Grenzen geführt, in einen unbeschreibbar erfüllten Bereich, in dem das denken ein Ende hat und es nur noch Wärme gibt.
wenn da nur nicht die verdammten Rückenschmerzen wären, in der Mediatation sitzt man ja aufrecht.
Am Anfang, vor besagten 9 Monaten konnte ich noch garnicht gerade sitzen, jetzt kann ich es wenigstens 20 Minuten oder so.
Ein Fortschritt.
Zen ist so eine tolle Sache.
Ich bin schon lange kein Christ mehr, doch Zen hat mir wieder sowas wie Spiritualität zurückgegeben, auch wenn das irgendwie komsich klingt.
Der Mensch lebt nicht von Vernunft allein, die höchste Wahrheit liegt außerhalb des Verstandes und kann von jemanden Menschen erforscht werden.
Sie ruht im Menschen, tief verborgen hinter den Gedanken und Gefühlen.
Dies ist die Zenlehre in aller Kürze, sie ist genial, versucht garnicht erst, sich an worten festzuklammern wie das Christentum oder irgendwelche Schriftbuddhisten.
Es gibt zwar Zenbücher, doch in denen steht im Grunde nur eines: egal wieviel du über Zen liest, wenn du es nicht lebst wirst du niemal frei werden.
Frei ist ihr im allumfassenden Sinne gemeint: frei von allem (Gefühle, Gedanken, Verhaftungen…)
Es gibt so viele tolle aussprüche und anekdoten von zenmeistern.
Einer meditierte im Wald und ein Engel flog über ihn. Er wollte seine Gedanken lesen, das können Engel ja, und näherte sich ihm. Der Zenmeister verharrte in tiefster Versenkung und so sehr sich der Engel auch bemühte, er konnte keinen Gedanken in ihm erkennen. Nichts, nichts war mehr im Kopf des Zenmeisters. Der engel warf sich vor ihm nieder und huldigte ihm, denn dieser Zenmeister war wahrlich frei.

Jaja, Zen ist schon was feines.