Das antikapitalistische Archiv

25. Oktober 2005

Kapitalismuskritik für antiintellektuelle

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Aber hier leben, nein danke

Kapitalismuskritik für Antiintellektuelle

Aber hier leben, nein danke

Kapitalismuskritik für Antiintellektuelle

Verständlich zu sagen, dass man lesen von großen, dicken Büchern langweilig findet. Was geht mich zudem Karl Marx an? Eine Menge, wie ich finde, auch wenn sich „mein“ Marx sehr vom „Schul“Marx unterscheidet. Für mich ist Marx einer, der sich hingesetzt, sich tiefer als alle vor ihm in ein Thema reingebissen, und zu diesem Thema schließlich äußerst treffende Lösungen geliefert hat. Gut, da war er nicht der einzige, aber sein Thema war halt eines, das uns alle besonders interessieren sollte: die Welt, in der wir leben, nichts weiter. Dass diese Welt nicht so toll ist, weiß ja wohl jeder, oder zumindest fast jeder. Marx sagt, die Welt ist nicht so toll, weil wir Menschen gnadenlos einem Apparat, einem System ausgeliefert sind, zu dem wir nicht gehören wollen, und auch nicht aussteigen können, Kapitalismus einfach, Marktwirtschaft. Schule, Arbeit, Kirche, Polizei, Fernsehen und Politik sind alle nur Teilbereiche dieses Systems, das alle, aber auch wirklich alle, Bereiche der Gesellschaft umfasst, sie gehorchen seinen Spielregeln und sorgen dafür, dass es weiter ungestört existieren kann. Offene Denkverbote sind dazu gar nicht nötig, sie werden uns vielmehr von Geburt an antrainiert. Dazu gehört im Grunde offensichtlich dummes Zeug wie der Glaube an Gott (okay, darüber kann man diskutieren), dass man Lernen und Arbeiten muss, dass Männlein nur Weiblein und Weiblein nur Männlein zu lieben haben, dass Mädle mit Puppen und Büble mit Actionfiguren zu spielen hat. All das dient, nach Marx, dazu, die Herstellung von Waren mit Gewinn zu garantieren. Mit Gewinn, der allerdings nur wieder zur Herstellung neuer Waren und nicht einfach zum … nun ja, Spaß haben verwendet wird, was ja eigentlich gar nicht mal so blöd wäre. Doch das System funktioniert nicht auf Dauer so weiter: selbst wenn wir uns nicht irgendwann mal von den Zwängen dieser Welt freimachen werden (durch eine Revolution wohlgemerkt, nichts weniger), richtet sich das System durch seine inneren Gesetze auf kurz oder lang selbst zu Grunde, und seine Bewohner mit ihm. Nicht nur, dass zwar die Wirtschaft wächst, unser Planet und seine Ressourcen jedoch nicht, nein, die derzeitigen Probleme wie Massenarbeitslosigkeit und Wirtschaftsflaute sind Ausdruck einer revolutionären Veränderung, die die gesamte Gesellschaft erfasst hat: überall herrscht Zukunftsangst, schlechte Laune und Verzweiflung vor, und das nicht zu Unrecht, denn seit ungefähr den späten 70ern sind Computer, Roboter und sonstige Maschinen so billig geworden, dass es sich schlicht und ergreifend kaum mehr lohnt, noch menschliche Arbeit zu kaufen. So wird der im Grunde geile technische Fortschritt zur Falle: jeden Tag werden Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen und durch Industrieroboter ersetzt, genauso wie Sekretäre und Sekretärinnen durch Computer ihren Job los werden und in die Mühlen der Bürokratie geraten, was spätestens seit Hartz IV nun wirklich kein Spaß ist. Anstatt die Leute fürs gleiche Geld einfach kürzer arbeiten zu lassen, werden sie in dieser Welt kurzer Hand auf die Straße geworfen und müssen sehen, in welchem Scheißjob sie als nächstes unterkommen. Das ist nichts anderes als pervers, aber auch nicht anders möglich, solange es Kapitalismus gibt. Der Kapitalismus baut eben darauf auf, dass alle Menschen fleißig rackern, obwohl sie im tiefsten ihres inneren trotz aller Arbeitshetze stinkfaul sind, und für Geld und weiter nichts arbeiten. Daher kann eine Befreiung der Menschheit nur stattfinden, wenn Faulheit, also Ruhe und Arbeit unter möglichst geringer Anstrengung, wieder zum gesellschaftlichen Leitmotiv wird und die kapitalistische Zeitverschwendung endlich ein Ende nimmt (mal ehrlich: wer braucht Ämter, Sekretariate und ähnlichen Schrott, wenn er nicht gerade für eine sinnlose Selbstzweckbetätigung möglichst großer Menschenmassen eintritt, wie zur Zeit alle Politiker von NPD bis Linkspartei?). Wieso also nicht den Laden einfach selbst in die Hand nehmen, die Bonzen enteignen und sich ein schönes Leben machen? Das ist kein Witz, es ist Realität: sicher wird der Mensch immer arbeiten müssen, um sein täglich Brot zu kriegen, aber noch nie so wenig wie heute. Wenn alles allen gehört (natürlich bis auf das unmittelbare Privateigentum, wer ein kleines Häuschen auf dem Land hat, kann da ruhig wohnen bleiben), ist Unterdrückung schlicht und ergreifend nicht mehr sinnvoll: es wird nur der zum Unterdrücker, der sich mehr Besitz und so eine bessere Lebenslage als andere verschaffen will, doch wenn alle machen und haben können, was sie wollen, wer sollte da überhaupt noch den Wunsch verspüren, andere unterdrücken zu wollen? Meine Vision ist keine Anarchie, sondern Kommunismus, und ich bezeichne sie am liebsten mit „selbstverwaltete Gesellschaft“. Es sollen keine machtgeilen Politiker, keine verspießten Beamten und keine ohnehin hirnverbrannten Manager mehr über uns entscheiden, sondern wir selber unser Leben in die Hand nehmen, mit- und nicht gegeneinander. Der Weg bis dahin ist noch weit, erst muss die radikale Linke wieder zu einer Massenbewegung heranwachsen und mehr Leute abchecken, was eigentlich in unserer schönen Welt so abgeht, aber es ist auf jeden Fall lohnenswert, sich von Leuten wie Lehrern, Politikerinnen, Eltern oder Priestern nicht verrückt machen zu lassen: es gibt sehr wohl eine Alternative zu unserem Scheißsystem, wir dürfen nur nicht aufgeben, im kleinen und im großen dafür zu arbeiten. Ja, und das meint auch Marx, auch wenn er es sicher etwas langweiliger und vor allem länger ausdrückt. Ich rufe weder zu Selbstmord noch zu Gewalt an anderen auf, was jeweils nur hirnlose Verzweiflungstaten wären, auch die Schule sollte man zu Ende bringen, wenn sie einen nicht zu sehr ankotzt und man daran zu zerbrechen droht. Ich rufe nur dazu auf, sich mal über gewisse Dinge klar zu werden und auch mal zu hinterfragen, was die Lehrer so meinen, wenn sie z.B. von „freiheitlich-demokratischer Grundordnung“ oder ähnlichem Zeug labern. So toll und schützenswert ist diese FDGO nämlich gar nicht, wie ich finde. Wenn man jeden morgen mit Bauchschmerzen zur Schule geht, ohnehin nie Hausaufgaben macht und ständig verschläft verhält man sich normaler und menschenwürdiger als alle Einserschüler dieser Welt (deren Unmenschlichkeit ich wiederum schon für bewunderns- aber nicht für erstrebenswert halte), man (und natürlich auch frau) sollte nur nicht die Fäuste unterm Tisch zusammenballen und meinen, man könnte nichts tun. Man kann natürlich was tun, sich z.B. einfach mal aktiv bei LaPlage? betätigen oder auf Demos gehen. Oder einfach aktive Zusammenarbeit gegen Dinge praktizieren, die einem nicht passen, davon gibt’s an der Schule sicher mehr als genug. Irgendwann werden wir schon lachend um den brennenden Reichstag tanzen und uns hemmungslos mit bei Aldi geplünderten Alkoholika zu saufen, es dauert halt noch ein bisschen. Dann werden alle Grenzen nicht nur aufgemacht, sondern ausradiert, und geisteswissenschaftlich orientierte Jugendliche werden sich endlich nicht mehr mit Physik und Chemie rumquälen müssen (umgekehrt gilt natürlich das gleiche). Hey, und statt Öl verheizen wir einfach die Millionen von Gesetzestextseiten, das dürfte locker reichen, um über mindestens zwei Winter kommen. Und wenn’s uns dann im verreckten und verdreckten Ex-Deutschland zu kühl wird, fahren wir einfach alle mit vollgesprayten Polizeiautos und Bundeswehrpanzern nach Italien. Dort wartet schon Schneewittchen auf uns und… So, genug geträumt, es ist Zeit diesen „Realität“ genannten Alptraum zu beenden und endlich mal länger als 6 Wochen lang ausschlafen zu können. Es lebe die Revolution!

P.S.: Für alle Ignoranten unter euch: nein, ich gehöre weder zu APPD noch Linkspartei und weiß sehr wohl, was ich da schreibe. Diskussionen könnt auf LaPlage?.tk führen, ich begründe euch notfalls selbst die Schneewittchensache ausführlich, bin ja nicht auf die schreibende Hand gefallen.

Spinner und Spinnerinnen aller Länder, die alle abgeschafft gehören, vereinigt euch, ohne auf ein Stück eurer Freiheit zu verzichten! (Frei nach dem letzten Satz der „Kommunistischen Manifest“ von Marx, in der Schulbibliothek oder im Internet nachlesbar.)

Auch nachzulesen auf der seite der autonomen schülerzeitung laplage